Sicherheit im Auto – unterwegs mit dem Reboarder

Ein Thema das mir schon lange am Herzen liegt und worüber ich seit einer Ewigkeit hier schreiben will. Ein Thema, dass noch viel zu wenig bekannt ist und doch so unglaublich wichtig. Und jetzt, endlich der passende Zeitpunkt.

Es geht um Sicherheit im Auto. Das Herbstmädchen fährt seit der Geburt rückwärts. Ja, auch jetzt mit knapp drei Jahren noch. Warum?

„Zahlreiche internationale Studien der letzten fünf Jahrzehnte haben unabhängig voneinander erwiesen, dass es für Kinder unter vier Jahren 5x sicherer ist, wenn sie im Auto rückwärtsgerichtet transportiert werden. Während die Nutzung von rückwärtsgerichteten Kindersitzen in Schweden, sogenannten Reboardern, schon seit Jahrzehnten an der Tagesordnung ist, fahren in Deutschland noch heute die meisten Kinder vorwärtsgerichtet sobald Sie der Babyschale entwachsen.“ (Quelle)

Vorrangig geht es um die immense Belastung auf den kindlichen Nacken bei vorwärtsgerichteten Kindersitzen. Man muss sich ja nur mal überlegen, wieviel größer so ein Kinderkopf im Verhältnis zu einem Erwachsenen ist. Die Nackenmuskulatur von (Klein)kindern ist noch nicht ausreichend ausgeprägt. „In einem vorwärtsgerichteten Kindersitz wirken bei einem Unfall mit 50km/h je nach Kindersitz zwischen 180 und 300 kg auf den empfindlichen Nacken eines etwa 3-jährigen Kindes mit 15 kg Körpergewicht. Diese Belastungen betragen in einem rückwärtsgerichteten Kindersitz ungefähr 40 bis 50 kg. Dies liegt weit unterhalb der Grenze von 130 kg, die internationale medizinische Experten als Maximum festgelegt haben und oberhalb derer ein Genickbruch äußerst wahrscheinlich ist.“ (Quelle)

Ist das nicht absolut erschreckend? In einem Reboarder sind die Belastungswerte auf den Nacken des Kindes um ein vielfaches reduziert und das Kind ist weitaus besser vor Verletzungen geschützt. Nachdem ich das erfahren hatte, kam für uns kein anderer Kindersitz in Frage.

Seit Geburt fuhr das Herbstmädchen also im Reboarder, wir haben uns damals für den Cybex Sirona entschieden, der für uns passend schien. Nun entwächst sie diesem langsam und das Maikäferchen steht schon in den Startlöchern um nach der Babyschale in den Sirona zu wechseln. Was also mit dem Herbstmädchen machen? Laut Studien sollten die Kinder bis 4 rückwärts fahren. Das Herbstmädchen wird aber erst drei.

Wie das Schicksal es so wollte, las ich von einem Blogger-Gewinnspiel, bei dem ich mich sofort beworben hatte. Initiiert haben das Ganze Die Kindersitzprofis. Unser ausgesuchter Händler in der Nähe war die absolut sympathische Reboardermama – Inhaberin Stefanie Schötz. Das Tolle daran: Wir durften sie an einem ihrer Standorte besuchen und uns ausführlich beraten lassen. Es gibt nämlich zwei Standorte: Das Ladengeschäft (in Kemnath/Oberpfalz) in dem Stefanie nicht nur Reboarder, sondern auch noch Tragetücher/Tragehilfen, Stoffwindeln, nachhaltige Damenhygienartikel und mehr was mein Herz erfreut vertreibt und einen Zweitstandort in ihrer Heimatstadt Viechtach im Bayerischen Wald. Da dieser Standort für uns wesentlich näher war, haben wir uns entschieden dorthin zu fahren. Das Besondere: Die Reboarder stehen im Austellungsraum einer Schreinerei (die dem Vater von Stefanie gehört) und ist somit echt etwas ganz Außergewöhnliches, was der Beratungsqualität aber absolut keinen Abbruch tut. Eher im Gegenteil. Man ist nicht von tollen Tragetüchern und bunten Stoffwindeln abgelenkt ;)IMG_2577Alle gängigen Reboarder sind dort vorrätig und Stefanie hat – auf besonderen Wunsch des Herbstmädchens – alle (!) mit uns durchgetestet. Auch andere Wunschmodelle kann sie zum vereinbarten Termin mitnehmen (weniger relevante Modelle sind nicht im Viechtacher Beratungssortiment). Schon nach ein paar Sekunden probesitzen hat sie gemerkt, welche Sitze für die Statur des Herbstmädchens nicht passend sind und welche prima passen. Die zwei, in denen sie gut saß haben wir dann auch direkt in unser Auto gebaut und gleich gemerkt, einer passt gar nicht. Reboarder brauchen je nach Autotyp ein klein wenig mehr Platz als ein herkömmlicher Sitz und so macht es immer Sinn verschiedene Reboarder zu testen und das Kind Probe sitzen zu lassen.IMG_2329Wir haben uns schlussendlich für einen Axkid Minikid entschieden in dem unsere Tochter noch lange Zeit (mind. 1-2 Jahre) fahren kann. Rückwärts gerichtet ist dieser Sitz von 9-25 Kilo zulässig und sogar ohne Isofix einzubauen. Er wird einfach mit den Autogurten befestigt. Stefanie hat den Sitz höchstprofessionell in unser Auto eingebaut und uns noch geraten einen zweiten Ersatzgurt – welchen man zum Einbau benötigt – zu kaufen, damit der Wechsel in ein anderes Auto unkompliziert vor sich geht.  Was uns auch gut an diesem Sitz gefällt: die Kopfstütze passt sich automatisch der Größe des Kindes an und somit „sitzt“ es immer richtig. Die Handhabung ist nicht komplizierter als bei einem „normalen“ vorwärtsgerichteten Kindersitz. Wir haben festgestellt, dass so eine Beratung wirklich Gold wert ist, denn mit der Zeit schleichen sich vielleicht Fehler bei der Einstellung des Sitzes/der Kopfstütze/der Gurte ein. Das ist nicht nur bei Reboardern so, das sieht man leider immer wieder. Auch wir sind nicht frei von Fehlern und hatten bei unserem Vorgängerkindersitz den Stützfuß nicht korrekt eingestellt. Das Maikäferchen war in der Babyschale dabei und selbst hier hat Stefanie uns noch unterstützt und die Gurte richtig eingestellt. IMG_2131Gegenargumente wie zu wenig Beinfreiheit für das Kind oder höhere Anschaffungskosten kann ich nicht nachvollziehen. Es geht hier um die Sicherheit unserer wertvollsten Fracht – unsere Kinder. Außerdem sind die Sitze wirklich lange lange nutzbar. Den Kindern macht es übrigens in den allermeisten Fällen nichts aus, die Beine anzuwinkeln, für viele ist das sogar um einiges bequemer. Es gibt natürlich auch Kinder, die absolut nicht rückwärts fahren möchten, vor allem wenn sie bisher vielleicht vorwärts gefahren sind. Aber auch dafür gibts eine Lösung. Reboardermama (und auch andere Reboarderhändler) können Sitze zum Testen einbauen. Das heißt, man kann einige Tage testen ob das Kind das rückwärtsfahren genauso toll findet, wie unser Herbstmädchen. Hier auf der Homepage „unserer“ Reboardermama findet ihr noch einmal alle wichtigen Infos und Fakten zusammengefasst. Schaut auch gerne auf ihrer Facebookseite vorbei. Dort gibt es ganz regelmäßig neue Infos. Auch die Seite der Kindersitzprofis kann ich euch ans Herz legen.

Wir sind sehr dankbar für diesen lehrreichen und intensiven Vormittag. Eine Beratung kann ich jedem wirklich nur ans Herz legen. Der Axkid Minikid wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch dafür noch einmal von Herzen, vielen, vielen Dank!

Ich werde das Thema in den nächsten Wochen sicherlich noch einmal aufgreifen, dann mit einer kleinen Überraschung für euch! Wenn ihr also noch Fragen dazu habt – schreibt sie mir gerne!

Zum Schluss noch mein Lieblingsfoto des Tages. Ein miesepetriges Herbstmädchen, dass nach einer Stunde Beratung und einer Stunde „ratschen“ (wie man hier in Bayern sagt) keine Lust mehr hatte. Und das Maikäferchen dass erst in meinen Armen und dann im (offenen) Kofferraum schlief. Hach, ihr süßen Kinder! IMG_2130

 

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13 Kommentare zu “Sicherheit im Auto – unterwegs mit dem Reboarder

  1. Danke für diesen tollen Artikel! ich finde dieses Thema auch unendlich wichtig und verstehe nicht, dass so wenig Eltern sich darüber schlau machen!

    Unser Kind fährt mit 3,5 Jahren auch noch rückwärts. Wir haben leider ein sehr großes Kind (momentan 108cm), so dass wir vor kurzem nochmal dringend einen neuen Sitz brauchten und vor der Frage standen ob Reboarder oder nicht. Und es wurde (natürlich, genau aus den oben genannten Argumenten) wieder ein Reboarder – obwohl wir uns dabei wie die absoluten Exoten in unserer Umgebung fühlen. Aber auch wir denken, es ist einfach am sichersten! Bei uns wurde es schließlich der Diono Radian 5 und sie wird sicherlich noch ein paar Jahre hineinpassen (bis 6 Jahre möglich laut Hersteller). Im Nachhinein hätte ich mir sogar diesen Sitz als ersten gewünscht, da er auch von Geburt an nutzbar ist mit Zusatzkissen und später auch vorwärts genutzt werden kann. Den Axkid hatten wir auch zur Auswahl, aber für unser großes Kind hätte er nur noch maximal 1 Jahr gepasst. Also an alle Eltern mit großen Kindern: Diono Radian 5 ist ein guter Reboarder für euch!

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  2. Vielen Dank für den Artikel! Der kam gerade zur rechten Zeit, da unser kleiner Sohn bald der Babyschale entwächst… Hab gleich einen Beratungstermin vereinbart :).
    Herzliche Grüße!

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  3. Schon von deinem vorigen Text zu dem Thema bin ich auf die Reboarder aufmerksam gemacht worden vielen Dank dafür. Unsere kleine Tochter wäre bald so weit, dass sie umsteigen könnte. Ein Beratungstermin ist für September geplant. Einige Fragen habe ich schon mal vorweg: Wie funktioniert es mit dem Blickkontakt zwischen den vorne Sitzenden und den Kindern hinten? Wie ist es, wenn dass Kind etwas möchte? Nicht immer ist die Möglichkeit gegeben gleich an zu halten, um z.b. zu trösten, etwas zu trinken ,ein Buch zu geben u.ä.. Wie funktioniert die Kommunikation?
    Vielleicht beantwortest du die Fragen im nächsten Text? Würde mich freuen😊❤

    Herzlichst Sandra

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      • Das habe ich auch gesehen und kann es mir von der Umsetzung her vorstellen. Gern würde ich wissen, wie dies in der Praxis und in der Interaktion zwischen Eltern und Kindern sich anfühlt – einfach Erfahrungen aus erster Hand.

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  4. Wie habe ich mich gefreut, mal wieder einen Erfahrungsbericht über Reboarder zu lesen! Denn auch ich bin überzeugt davon und seit 1,5 Jahren fährt meine Tochter auch in einem Axkid Minikid. Der ist wirklich klasse!
    Und meine Tochter sitzt hoch und kann locker aus dem Fenster blicken. Und das Beste für uns: ich habe den Sitz mit Gurten auf dem Beifahrersitz befestigt, so sitzen wir fast auf Augenhöhe und haben ständig Blickkontakt, was das Fahren ungemein erleichtert! Ich kann es nur jedem empfehlen!
    viele Grüße!

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  5. Super, dass du das Thema aufgegriffen hast! Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht!
    Wir haben auch den Cybex Sirona. Aber leider benutzen wir ihn seit einiger Zeit nur noch vorwärtsgerichtet, da unsere 2 jährige Tochter mit den Beinen keinen Platz mehr hatte. Wie habt ihr das bis jetzt gemacht, dass ihr den Cybex solange als Reboarder nutzen konntet?
    LG,
    Larissa

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  6. wir haben mit allen drei kindern einen reboarder genutzt, von hts (nacheinander immer den selben). ich bin davon nachwievor total überzeugt.
    zu den fragen von kommunikation/kontakt kann ich nur sagen, daß wir KEINEN spiegel hatten, das wäre mir viel zu gefährlich (während ich in den spiegel gucke, kann ich nicht auf den verkehr achten, nicht für einen moment). unseren kindern hat es gereicht, unsere stimme zu hören und eine hand nach hinten gereicht zu bekommen, ggf. mit benötigten dingen.

    (und ich hab die gute alte möhre noch im keller stehen, voll funktionstüchtig. wenn eine im raum ruhrgebiet wenig geld und deshalb interesse an einem reboarder geschenkt hat, bitte melde dich! siebensachen(ett)online.de )

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  7. Pingback: Sicherheit im Auto – das Gewinnspiel | Holzhütteneinblicke

  8. Dank dieses Artikels, Frau siebensachen und ein wenig Mut zum späten Start fährt nun meine Tochter mit knapp 2,5 Jahren auch wieder rückwärts. Die Umstellung vom zwischenzeitlichen vorwärts gerichteten Fahren war kein Problem! Also auch spätes Umstellen lohnt sich!

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  9. Pingback: Ein Tag in der Holzhütten – später Herbst | Holzhütteneinblicke

  10. Ein wirklich toller Artikel über ein sehr wichtiges Thema. Unsere Tochter fährt mit fast 3 Jahren auch noch immer im Reboarder (BeSafe iZi Plus). Wir sind rund um zufrieden, auch wenn viele aus der Verwandschaft anfangs sehr skeptisch waren und uns zu einem vorwärts gerichteten Sitz geraten haben. Das kommt für uns jedoch auf keinen Fall in Frage – wir bleiben auch für Nachwuchs Nr 2 (voraussichtlich April 2017) beim Reboarder.

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